Rabat – die Hauptstadt Marokkos

Wenn ich ein Land bereise versuche ich – falls es irgendwie geht – einen Abstecher in die Hauptstadt zu machen. Rabat hat es definitiv verdient besucht zu werden.
Es ist nachmittags an meinem letzter Tag in Rabat und ich sitze – wie jeden Tag um diese Zeit – im Café Marché Central. Sie haben hier einen sehr guten Cappucino. Mein leckeres Teilchen ist von der Patisserie nebenan. Die Praxis sich im Nachbargeschäft etwas zu holen, ist wohl in ganz Marokko so üblich. Im Café Marché Central sind hauptsächlich Einheimische zu finden. Der Schuhputzer, der gerade vorbeigeht, schaut auf meine Teva-Treter und signalisiert mir lachend, daß er mit mir keinen Umsatz machen kann. In der vorderen Reihe (ich bin gerne in der hinteren) sitzen mehrere Geschäftsmänner. Jeder von ihnen hat seinen Gebetsteppich zusammengerollt dabei. Für einen raschen Tee oder Café wird die Zeit noch reichen, denn gleich ruft der Muezzin laut und deutlich zum Gebet in der Moschee.
Vorhin war ich im Museum of Modern Art. Und ich muss sagen: Unbedingt einen Besuch wert. Die Ausstellung ist überschaubar, der Preis auch. 60 DH Eintritt. Es war nicht voll, so konnte ich die Kunst genießen. Vor einem Jahr in New York war das nicht der Fall. Das MoMa teuer, packed und vor fast jedem Kunstwerk ein Haufen Selfitioten. Kunstgenuss war da Fehlanzeige.
Gestern bin ich rund um die Medina spaziert. Und da hat mich dann doch etwas sehr verwundert. Ein riesiges Areal, beste Stadt- und Strandlage, Sonnenuntergangsgarantie einzig von einer etwas lauteren Straße vom Strand getrennt. Aber Lärm stört die Menschen, welche hier sind auch nicht mehr wirklich. Der Friedhof von Rabat. Ich kann mich nicht erinnern einmal einen Friedhof in solch einer top Lage gesehen zu haben. (Leider ist der Friedhof auf diesem Bild nicht so gut zu erkennen)

Ich wohne wieder einmal sehr zentral in der Medina. Die Hotelgruppe rabatriads.com bietet hier mehrere Riads an. Meines heißt Louane. Wirklich sehr zu empfehlen. Natürlich könnte ich einem Hotel weiter außerhalb am Stadtstrand wohnen. Das hätte dann Pool usw. Irgendwie würde ich mich dann aber nicht so ganz in Marokko angekommen fühlen. Was natürlich Ansichtssache ist.
Innnerhalb der Medina selbst gibt es leider irgendwie nur entweder Fast Food (und zwar an jeder Ecke) oder Touristen-Lokale die mit einer normalen Tajine zu 250 DH in meinen Augen den Vogel abschießen. Mein Dank gilt erneut dem Guide Routard. Er hat mich zum Dar Naji geführt. Dieses Lokal, gleich außerhalb der Medina gelegen, wird fast nur von Einheimischen besucht. Das Essen ist ausgezeichnet und (für unsere Verhältnisse) günstig. Ich habe es an keinem Abend geschafft mehr als 85 DH auszugeben. Der Blick auf die Medinamauer von meinem Platz im Dar Naji aus, wirklich toll!
Kennt Ihr auch den Satz: Cook it, peal it or leave it? Ich würde sagen: Forget it. Und zwar den ganzen Spruch. Auf jeden Fall für die touristisch gut besuchten Orte Marokkos. Täglich habe ich im Dar Naji Salat gegessen. Köstlich!
Andere Länder, andere Sitten. Da sitze ich also, genieße mein Essen im Dar Naji und denke bei mir: was für ein Schlachtfeld. Meine Nachbarn haben den Tisch und auch den Boden zurückgelassen, wirklich unglaublich. Eine komplette Mess! Schnell war Personal mit dem Besen und dem Glasreiniger da (auf den Tischen gibt es – aus gutem Grund – eine Glasplatte) und im Nu war alles wieder sauber. Und genauso schnell begriff ich, daß das hier so üblich ist mit der Mess. Die Menschen legen das Essen auf den Tisch, was auf den Boden fällt interessiert niemand.
Schon an meinem Ankunftstag habe ich die Kasbah Udayas besucht. Sie ist nur 5 Minuten zu Fuß von meinem Riad entfernt. Ein wirklich wunderschöner Ort, der wohl früher mal eine Priatentrutzburg war. Heute ist er touristisch fein rausgemacht. In Bussen werden die Menschen hierher gekarrt. Durchgeschleift, schnell da und dort ein Foto, nur den Anschluß nicht verpassen. Ich konnte, wie gesagt zu Fuß hierher gehen, und darf bleiben solange es mir Spaß macht. Was für ein Luxus.
Meine Zugfahrt von Marrakech nach Rabat war sehr unterhaltsam. Mir gegenüber saß ein marrokanischer Elektroingenieur dessen Frau Ärztin ist. Er hat 10 Jahre in Deutschland gelebt. In Berlin studiert, den Mauerfall live miterlebt und in München sein Praktikum gemacht. Funfact: Während seiner münchner Zeit hat er in der Nähe der Münchner Freiheit gewohnt. Heute lebt er mit seiner Familie in Marrakech und arbeitet für eine Firma in Casablanca. Dort ist er 2 Tage pro Woche, der Rest ist Homeoffice.
Hier noch ein paar Bilder von Rabat
Mein Fazit: Wer wirklich Marokko erleben will, sollte unbedingt nach Rabat reisen.
TOUR IT MY WAY 































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