CHITTAUGARH FORT – Leben inmitten von Geschichte

Das Fort von CHITTAUGARH war für mich das, was ich Palace-Days auf einer Tour nenne. Eine luxuriöse Erholung inmitten jahrhunderte alter Palastruinen. Mein Guesthouse, das PADMINI HAVELI befindet sich im Fort. Wenn schon, denn schon.

Kein schnelles – mal eben mit dem Tuktuk hochfahren, einmal die wichtigsten Tempel und Paläste abgeklappern und schon geht‘s wieder nach unten und weiter zur nächsten Destination. Zwischendurch muss ich mir Ruhe gönnen, das habe ich auf meinen Indienreisen gelernt. Ich wohne 3 Nächte im PADMINI HAVELI. So habe ich 2 ganze Tage für die Besichtigung und das Verweilen. Letzteres ist mir sehr wichtig. Heute ist mein letzer Tag im Fort. Ich sitze im RATAN SINGH PALACE, keine 10 Minuten fußläufig von meinem Guesthouse entfernt. Der Himmel ist mit Schleierwolken bedeckt, welche mir einen angenehmen Schatten spenden. An eine Ruienenwand gelehnt schweift mein Blick hinunter auf die City von CHITTAUGARH. Auf meinen Beinen mein kleines, altes iPad welches momentan mit einer Local Sim Card ausgestattet ist. Das ermöglicht mir den Luxus auch an solch einzigartigen Orten zu bloggen. Welche Ruhe hier oben herrscht. Das indische Hupkonzert unten im Tal hat mich früh genug wieder.

Dieses Fort ist das größte noch bewohnte auf der ganzen Welt und auch die größte Festungsanlage Indiens. Seit Juni 2013 ist es UNESCO Weltkulturerbe. Leider ist das Fort nicht besonders gut restauriert. Wer sich eine schöne Wiederherstellung wie z.B. in Angkor Wat erwartet, den muss ich enttäuschen. Dafür kostet das Tagesticket auch nur 600 Rupien. Die einzigartigen Fundstücke wurden teilweise zum Bau von Mauern verwendet. Fehlende Kuppeln ersetzte man durch hässliche Betonhalbkugeln und auch sonst wurden die Ruinen äusserst fragwürdig ergänzt. In einem SHIVA Tempel ist das mittlere Gesicht der Gottheit mit bunter Farbe nachgemalt, frei nach dem Motto: Schlimmer geht immer.

Meine Empfehlung das Fort zu besuchen trotzdem ein klares JA. Es ist ein besonderer Ort. Zwischen diesen Mauern scheint die Zeit irgendwie still zu stehen. Es ist, als würde ich etwas von dem Glanz von Prinzessin PADMINI’S sagenumwobener Schönheit spüren. Ihredwegen wurde ein erbitterter Kampf um das Fort geführt an dessen Ende sie zusammen mit ca. 16.000 Frauen JAUHAR beging. Sich selbst in die Flammen stürzen. Ein langsamer qualvoller Tod. Noch heute wird rund um das Fort Opium angebaut. (Heute unter Aufsicht für medizinische Zwecke). Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Opium eine wichtige Grundlage für Jauhar war. (Dies ist lediglich meine persönliche Meinung, nicht basierend auf Recherche.)

Die Bewohner des Forts sind freundlich und hilfsbereit. An meinem 1. Abend wollte ich das Fort erkunden. Leider war ein Tor schon geschlossen. Ein alter Einheimischer der mit seinen 2 Enkelkindern dort war zeigte mir ein Schlupfloch. Anschließend habe ich mit den dreien eine Abendtour duchs Fort unternommen. Was für ein schönes Ankommen.

Das nenne ich mal Recycling. Diese nette Dorfbewohnerin zeigte mir, wie sie die Kuhdung Pattys formt. Sie werden in der Sonne getrockent und anschließend als Brennstoff verwendet.

Erstaunlicherweise haben sie nicht schlimm gerochen

Im Guesthouse traf ich ein sehr spannendes Pärchen. Sie aus London, er aus Stockholm. Beide über 70 Jahre alt, seit knapp 50 Jahren verheiratet und 5 Kinder. Sie leben in Schweden und reisen seit 1964 jedes Jahr. Immer low budget, für ca. 2 Monate mit Kontakt zu Land und Leuten. Zuhause in Schweden betreiben sie ihr eigenes kleines Hotel, welches für die Zeit ihrer Reise geschlossen ist. Ich habe gespannt ihren interessanten Reisegeschichten gelauscht. Diese hier wiederzugeben würde den Post leider sprengen.

Und ein weiteres spannendes Pärchen habe ich kennengelernt. Eigentlich sind sie kein Paar sondern einfach nur eine Französin und ein Franzose auf Arbeitstour. Zum unterhalten beim obligatorsich gemeinsamen Dinner im PADMINI HAVELI hatten sie leider nicht wirklich Zeit. Sie mussten ins Zimmer, Fotos sichten, auswählen, bearbeiten und ihren täglichen Blogpost raushauen. Rajasthan in 2 Wochen. Jeden Tag woanders. Tolle Fotos – das muss man ihr lassen. Ist aber auch ihr Job und dementsprechend hielt sie das passende Gerät in der Hand. Aber der Rest, das Land, die Menschen, die Geschichten, die Kultur? Was wollen die beiden in ihrem Blog mitteilen. Ich weiss es nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass jedemand der diesen Blog ansieht Rajasthan nur aus sicherer Enfernung kennenlernen wird. So wie diese beiden eben.

Sie hatten nicht einmal Zeit für die Geschichte von Sudhir und seiner Frau Parvati. Dem Traum dieses Paares den uralten kleinen Palast seiner Familie in ein Guesthouse umzubauen. Menschen aus aller Welt hier willkommen zu heißen. Ganz nebenbei ziehen die beiden 4 Kinder groß. Sie haben insgesamt 6 Zimmer zu vermieten. Sind bewusst nicht auf Plattformen wie Booking zu finden. Sie legen auch keinen besonderen Wert darauf, dass immer alle 6 Zimmer voll sind. Wichtiger ist ihnen, dass sie für jeden ihrer Gäste ausreichend Zeit haben. Beide sind Tourguides machen die Besichtigung des Forts zu einem wahren Erlebnis. Das gemeinsame Abendessen ist nicht im Zimmerpreis enthalten aber unbedingt zu empfehlen!

Parvati und Sudhir beim abdenlichen Kochsepktakel
Die Fahne bedeutet, dass dies ein aktiver Tempel ist

Hier wurden 7 Pferde im Stall angebunden – deshalb 7, weil die Zahl magische ist.

Ich kam von AJMER und bin weitergereist nach UDAIPUR jeweils mit dem Zug in der SLEEPER CLASS.

Gewohnt habe ich im http://thepadminihaveli.com/home.html

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