Kastenfreies AMRITSAR – Hauptstadt der stolzen SHIKS

Enge dunkle Gassen, golden glänzende Paläste umringt von weißem Marmor, krasser könnte der Gegensatz nicht sein. Doch wer meint in AMRITSAR nur einen GOLDENEN TEMPEL zu finden der irrt! Langsam komme ich in den indischen Rythmus rein und beginne mit dieser Stadt in Kontakt zu treten. Endlich ist auch das Schwitzen vorbei. Zu Beginn einer jeden Asienreise läuft mir als gemeiner, europäischer Durchschnittstouristin das Wasser aus allen verfügbaren Poren raus. So schnell wie dieses Phänomen beginnt, so schlagartig ist es meistens am 3. Reisetag auch wieder vorbei. Und damit mich diesmal Montezuma‘s Rache nicht ereilt – diese scheint international tätig zu sein – putze ich mir die Zähne mit botteld water. Bis jetzt hilft‘s, ich werde sehen… (Kleiner Nachtrag: Für einen Tag hat es mich dann doch ereilt 😦 )

In AMRITSAR ist deutlich zu spüren – es gibt im SHIKISMUS KEINE KASTEN !! Im GOLDENEN TEMPEL serviert der reiche SHIK dem ärmsten der Armen das kostenfreie Essen, kocht es für ihn und spült sein schmutziges Geschirr. Undenkbar im restlichen Indien. Mehr dazu im Post der GOLDENEN TEMPEL IM NEKTARBECKEN.

Hier in AMRITSAR sehe ich gut gebundene Turbane wohin mein Touristenauge blickt. Und das war nicht immer so. Es ist noch gar nicht solange her, da galt es unter den jungen SHIKS als modern, sich die Haare zu schneiden – eine Abkehr vom Turban sozusagen. So ein Turban ist nicht nicht nur schön anzusehen, es dauert auch ganz schön lange ihn täglich neu zu binden. Ein kleines Kunstwerk, welches fest um den Kopf gezogen, dem Träger zu Beginn mitunter sogar Kopfschmerzen bereitet. Immer wieder sind in den Straßen AMRITSARS auch ältere Shiks mit einem „Turban in Vorbereitung“ zu sehen. Dies ist ein Kopftuch mit einem etwa kinderfaust großem Dutt, in welchem die beginnene Haarlänge verstaut wird. Normalerweise findet sich das ausschließlich bei jungen Buben – verständlich.

Dem gläubigen SHIK ist es verboten sich die Haare schneiden zu lassen.

(Schmeissmichweg! Hier gibt‘s auch Turbantücher von Nike. Habe ich leider erst am letzten Tag in einem Lokal gesehen, und da geht mir das Fotografieren doch zuweit).

Rund um den Marmorkomplex des GOLDENEN TEMPELS sieht AMRITSAR touristenfein aus. Renoviert, geschleckt herrgerichtet – postkartentauglich. Um zu meinem Hostel zu gelangen, muss ich mich durch das Gate westlich vom GOLDENEN TEMPEL ins indische AMRITSAR begeben. Enge schmutzige Gassen. Einst prächtige Häuser, die heute längst verfallen sind. Hier, in diesem Teil der Stadt bekomme ich das leckere Streedfood, das ich in Asien so liebe. Hier führt mich mein Weg durch Gassen die genau nach Produkten aufgeteilt sind. Es ist in Asien nicht wie bei uns, dass ein Laden alles hat und der daneben ebenfalls. Hier gibt es die Nudelgasse, die Büchergasse, die Gewürzegasse und so weiter. Ich wohne in der Früchte- und Gemüsegasse – wie praktisch. Und überall dazwischen wird Chai, Streetfood und Lassi verkauft. Abends auf dem Nachhauseweg bin ich NICHT alleine durch die engen, dunklen Gassen gegangen. Ich fuhr immer mit einer Rickshaw zum Hostel zurück.

Dieser nette SHIKPOLIZIST vom Westgate hat sich stets darum gekümmert, dass der Rickshawdriver den Weg weiss und Madam gut und sicher ins Hostel bringt. Bei den Rickshawdrivern nützt die Visitenkarte vom Hostel nichts – sie sind Analphabeten. Und ja, ich kann es mit meinem Gewissen vereinbaren, mit der Rickshaw zu fahren. Dem Fahrer geht es nicht besser, wenn ich zufuß gehe und ihn nicht beschäftige. Und NEIN, ich handle nicht mit einem Menschen, der von der Statur her so aussieht wie ein Bleistift. Ob ich nun 10 Rupien (Einheimischenpreis) oder 30 Rupien (Touristenpreis) zahle, macht für mich einen Unterschied von 20 Cent – für den Fahrer den Unterschied einer vollen Mahlzeit. An dieser Stelle möchte ich allen reisefreudigen Leserinnen und Lesern ans Herz legen: Wenn ihr das nächste Mal auf Reise geht, überlegt Euch doch bitte, ob es nicht auch für euch machbar ist individuell zu planen, anstatt eine Pauschalreise zu buchen. Das Geld im Reiseland denen zu geben, die es dringend benötigen – anstatt in Deutschland großen Reiseveranstaltern. Ihr benötigt Tips für die individuelle Reiseplanung? Ich freue mich, wenn Ihr euch meldet!

Individualtourismus – so wie ich in praktiziere – das bedeutet mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Geschichten zu hören, Geschichten die die großen Reiseagenturen nicht kennen. Zum Beispiel die Geschichte von Gurbachan Singh. Er besitzt ein Streetfoodgeschäft unweit meines Hostels. Als ich auf die Frage: which country? Mit Germany antworte, ist er hellauf begeistert. Es erinnert ihn an lang vergangene Zeiten. Als er ein junger Mann war, der sich aufgemacht hat in der Fremde sein Glück zu suchen. Er beginnt mir von seiner Zeit in Deutschland zu erzählen. Ist stolz, dass er auch heute noch ein paar Worte Deutsch beherrscht. Ich werde in den 1. Stock gebeten um seine Frau kennenzulernen und die alten Fotos aus Deutschland anzusehen. Natürlich muss ich seine köstlichen deepfried cauliflower probieren. 🙂 Und ich erfahre, wie er als junger Mann, ein Analphabeth, kein Wort Englisch, kein Wort Deutsch, sich nach Deutschland aufgemacht hat um Geld zu verdienen. Wie er nach zwei Jahren als Blumenverkäufer (wir kennen sie alle) einen Job als Hilfskoch in einem italienischen Restaurant bekam. Wie er langsam Fuß fasste und begann die deutsche Sprache zu lernen. Und auch, wie er von einem Tag auf den anderen zurück in die Heimat gerufen wurde. Sein Bruder war gestorben und es war für ihn eine Frage der Familienehre die Witwe zu heiraten. Sie war noch jung als ihr Mann starb und hatte in diesem Land – so hart wie es jetzt klingen mag – somit Glück im Unglück. Eine Witwenrente gibt es hier nicht.

WO SCHREIBE ICH GERADE: Ich sitze in einem Café, in welches sich fast ausschließlich Touristen verlaufen. Cappu für 100 R. Für das gleiche Geld bekomme ich beim Hostel um die Ecke ein volles Abendessen, und für das Doppelte beim Frisör Waschen, Schneiden und Föhnen. Ich zahle diesen Preis nicht nur für den Cappu sondern auch für ein bisschen Pause von dem indischen Hupkonzert. Ab und an muss ich mich einfach etwas zurückziehen – ein bisschen Ruhe haben. Indische Großstädte können sehr anstrengend sein.

ANREISE: Mit Air India von Frankfurt über Delhi.

AMRITSAR AIRPORT zum Hostel: Private prepaid Taxi 400 R. Das ist schnell und bequem. Nach einer langen Anreise unbedingt zu empfehlen.

ÜBERNACHTUNG: Wow Backpackers Hostel. Du wohnst da, wo Amritsar indisch aussieht, 10 Gehminuten zu Fuß zum Goldenen Tempel, Sauberkeit na ja, ständig hot water und Strom, gutes Wifi, freundlicher und hilfreicher Besitzer. Private Room 700 R / Dorm 300 R.

WEITER GEHT‘S: Mit dem Direct-AC-Touristenbus nach DHARAMSALA / MCLEOD GANJ 700 R / Fahrtzeit 5 h. Ok, es gäbe auch den Zug nach DHARAMSALA mit Umsteigen in PATHANKOT und anschließendem Sharded taxi nach MCLEOD GANJ für vielleicht 300 R / Fahrtzeit 10 h. Ich habe mich entschlossen, dass das Leben auch leicht sein darf!

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